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UNICEF-Appell

„Arme Familien haben keinen Schutzschirm“

(UNICEF). Die globale Finanzkrise wird nach Einschätzung von UNICEF weltweit die soziale Kluft verschärfen. In einigen Entwicklungsländern bedrohe die Krise bereits die Überlebenschancen von Kindern, teilte das Hilfswerk anlässlich des ersten Welttags für soziale Gerechtigkeit am Freitag mit.


Bild zur Nachricht
Foto: UNICEF

Die globale Finanzkrise wird nach Einschätzung von UNICEF die weltweiten sozialen Gegensätze verschärfen und bedroht schon jetzt in einigen Ländern die Überlebens- und die Entwicklungschancen der Kinder. Anlässlich des heutigen ersten Welttages für soziale Gerechtigkeit und des am Wochenende in Berlin stattfindenden G20-Vorbereitungsgipfels ruft UNICEF dazu auf, den Kampf gegen Armut und Unterentwicklung gerade in Krisenzeiten zu verstärken. Insbesondere in den stark von Exporten abhängigen Ländern Asiens drohen nicht nur eine starke Zunahme der Arbeitslosigkeit und Armut, sondern auch mehr Unterernährung sowie ein Anstieg der Kindersterblichkeit.

„Arme Familien in den Entwicklungsländern haben keinen Schutzschirm, der sie vor wirtschaftlichen Schocks bewahrt“, sagte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „ Während die Regierungen der Industrieländer sich darauf konzentrieren, Banken zu retten und Konjunkturprogramme aufzulegen, dürfen wir die Hilfe für die ärmsten Menschen nicht vergessen.“

Aktuelle Berechnungen der Weltbank prognostizieren, dass in den von der Krise besonders betroffenen Entwicklungsländern zwischen 200.000 und 400.000 Kinder zusätzlich sterben könnten, wenn die Krise ungebremst fortschreitet. Auch wenn es in den vergangenen Jahren zum Beispiel vielen Menschen in Asien gelungen ist, sich aus extremer Armut zu befreien, lebt doch ein Großteil der Bevölkerung weiter in unsicheren Lebensumständen. In Indonesien beispielsweise leben 52 Prozent der Bevölkerung von weniger als umgerechnet zwei US-Dollar am Tag. Gleichzeitig stiegen bereits im vergangenen Jahr die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis, Weizen und Mais stark an. Schon vor der aktuellen Krise war nahezu jedes zweite Kind in Südasien und jedes siebte Kind in Ostasien unterernährt.

Untersuchungen in 59 Entwicklungsländern, die in der Vergangenheit wirtschaftliche Krisen durchgemacht haben, ergaben, dass ein sinkendes Wirtschaftswachstum in der Regel mit einem Anstieg der Kindersterblichkeit verbunden war. Für jedes Prozent, das das Bruttosozialprodukt sank, stieg die Kindersterblichkeit durchschnittlich um 0,3 bis 0,8 Prozent. Bereits heute fehlen jedem zweiten der rund 2,2 Milliarden Kinder auf der Erde grundlegende Dinge für das Überleben und die Entwicklung wie ausreichende Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Hilfe, eine gute Schulbildung und ein Dach über dem Kopf. Weltweit sterben jedes Jahr 9,2 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag - meist an vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten.

Welttag für soziale Gerechtigkeit

Die Vereinten Nationen haben den Welttag für soziale Gerechtigkeit ins Leben gerufen, um den Einsatz für gleiche Lebens- und Entwicklungschancen zu stärken. Auf dem so genannten Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen hatten sich im Jahr 2000 die Regierungen verpflichtet, die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren. Doch heute verfügen immer noch weniger als eine Milliarde Menschen über 80 Prozent des Einkommens auf der Erde - während fünf Milliarden Menschen weniger als 20 Prozent zur Verfügung haben. Mehr Informationen zum Welttag für soziale Gerechtigkeit unter un.org/esa/socdev/social/intldays/IntlJustice/.

Internet: www.unicef.de


(Samstag, 21.02.)

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